11/ Nessebar-Altstadt: Kirchen-Kleinode aus dem 13. Jahrhundert

Läuttreppchen, Glockentürmchen und Taufe: Die kleinen Kirchen aus dem 13. Jahrhundert stehen den anderen Gotteshäusern der Halbinsel in ihrer Schönheit nicht nach.

Überblick über alle Beiträge dieser Serie!

Kirche des Hl. Theodor

Außer der großen Pfarrkirche mit dem Glockenturm befinden sich noch drei weitere, kleine Kirchen in Altnessebar. Sie wurden im 13. Jh. erbaut und weisen hinsichtlich Größe und Stil Gemeinsamkeiten auf.

Die nüchterne Theodorkirche liegt ziemlich abseits am Ende der Insel, dort wo die Neptun- und die Emonastraße aufeinandertreffen. Sie ähnelt im Typ der Sveta-Petka-Kirche. Da an ihren Fassaden mit den Pseudonischen noch keine Schmuckpatenen verwendet wurden, läßt sich ihre Entstehungszeit genau bestimmen.

Ihre West- und Nordmauern sind original erhalten und gehören zu dem ursprünglichen Bau mit bescheidenen Ausmaßen, man erkennt deutlich den spätmittelalterlichen Anbau. Die Inschrift auf der Königstür der Ikonostase (17. Jh.) erwähnt einen Nachfahren des walachischen Fürstengeschlechts der Kantakuzenen.

Hl. Paraskeva und die Taufe der Mädchen

Die anderen beiden Kirchlein befinden sich in der Nähe der Alten Mitropolija. Die einschiffige Kirche der Hl. Paraskeva (Sveta-Petka-Kirche) wurde vermutlich 1236 im Zusammenhang mit der Überführung der Reliquien der Hl. Petka nach Veliko Tarnovo errichtet. Ihr Turmrest ist nicht mehr sichtbar, ähnlich der Theodorkirche wurde sie mit einem Holzdach abgedeckt.

Pseudokonstruktive Blendnischen gliedern die Außenmauern des 15 m langen und 6 m breiten Gotteshäuschens mit der schmuckvollen, polygonalen Apsis. Besonders an der Südfassade ist der lombardische Bogenfries mit keramischen Inkrustationen (eingesetzten Ornamenten) gut erhalten. Er ist ungewöhnlich lang und vermittelt den Eindruck, das Gebäude bestehe aus zwei Stockwerken.

In der Südmauer ist ein schmales Treppchen eingebaut, das einst zu einem Glockenturm führte – ein typisches Merkmal der bulgarischen Architekturschule. Zwei Eingänge verschließen den – im Gegensatz zur schlichten, strengen Außenfassade heiter und unbeschwert wirkenden Innenraum. Laut Legende diente die Kirche der Taufe der Mädchen.

Erzengelkirche und die Taufe der Buben

Erzengelskirche Nessebar Bulgarien

In der gegenüberliegenden Erzengelkirche (Hl. Erzengel Michael und Gabriel), die ebenso ein Läuttreppchen aufzuweisen hat, wurden dagegen die Buben getauft. Mit ihrer eingestürzten, grasbewachsenen Kuppel und dem Turmstumpf, dem verlängerten Altarvorraum und den drei kleinen mehreckigen Apsiden wirkt die letztere graziöser.

Von schlanken Öffnungen durchbrochene Bogennischen umlaufen das Bauwerk, und die grünen Keramiknäpfchen an den Friesen, die sich wie Riesenottern um das Ruinenjuwel winden, leuchten dreireihig in der Sonne. In den Giebelfeldern der Blindnischen entdeckt man schachbrettartige Verzierungen…

Drumherum Zigeunergeigen und der würzige Duft der Tavernen samt salztrunkener See! Was kann es hier Schöneres im Urlaub geben, als inmitten uralter byzantinischer Gemäuer deftige Balkanspezialitäten und einen feurigen Wein zu genießen?

Vorschau:

Im vorletzten Beitrag der Nessebar-Serie wenden wir uns der Architektur der bulgarischen Wiedergeburtszeit zu. Wir genießen die alten Gassen mit ihren malerischen Holzhäusern.

Überblick über alle Beiträge dieser Serie!

Näheres zur (foto)grafischen Gestaltung!

Möchten Sie unsere Beiträge abonnieren?

Verwandte Seiten auf unserer Website:

Sprachbüro für Bulgarisch und Makedonisch: Übersetzen und Dolmetschen

Textbüro für Werbung und Public Relations: Südosteuropa – spezial

Wir freuen uns über Ihre Kommentare in der Kategorie "GÄSTEBUCH"!