6/ Nessebar-Altstadt: Die Wandmalereien in der Stefanskirche (Neue Metropolitenkirche)

Christliche Säulen auf umgestürzten Kapitellen? Der Künstler – seiner Liebsten ein Denkmal gesetzt?

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Triumph des Christentums – Goldene Farben auf Holz

Stefanskirche Nessebar - Außenansic ht

Schräg gegenüber erblickt man die Stefanskirche (Neue Metropolitenkirche), die die besterhaltenen Wandmalereien der Stadt aufweist. Typisch für die Zeit ihrer Entstehung im 10. Jh. ist die stärkere Betonung der Ostfassade durch bauplastischen Schmuck.

Neben den kunstvoll umrahmten Fenstern und Bögen erscheint hier erstmalig in Bulgarien der lombardische Arkadenfries mit buntglasierten Keramiknäpfchen und -rosetten am Apsisgesims, der eigentlich für die Nessebarer Kirchen späterer Jahrhunderte kennzeichnend war.

Im Naos der Kirche erheben sich christliche Säulen auf umgestürzten heidnischen Kapitellen – ein Symbol des Triumphes des Christentums. Die Kirche wurde zunächst als eine kleine dreischiffige Säulenbasilika mit 3 halbrunden Apsiden erbaut. Eine Erweiterung um eine volle Schiffsbreite erfolgte im 13./14. Jh..

Bei ihrer Erhebung zur Bischhofskirche Ende des 16. Jh. erhielt sie die Fachwerkvorhalle und die Ikonostase mit den wertvollen farbigen Holzarbeiten im orientalischen Tulpenstil. Bis auf wenige Fragmente der ersten und der zweiten Ausmalung stammen auch die Fresken aus dieser Zeit. Goldfarbene Verzierungen und bunte Pflanzenmotive schmücken auch die hölzerne Kanzel und den Thron der Kirche.

Maria – mal lächelnd mal traurig

Die Malstile lassen erkennen, daß die ca. 700 qm Wandflächen von drei Künstlern ausgeschmückt wurden. In sage und schreibe 258 Szenen sind 1000 Gestalten dargestellt. Jungfrau Maria zog die Maler in ihren Bann – die meisten Szenen erzählen von ihrem Leben.

An dem Südwestpfeiler der Kirche mit der Szene „Maria Opferung“ verkörpern die sieben Jungfrauen, die Maria begleiten, ein und dasselbe Mädchen – mal lächelnd, mal besinnlich und mal traurig. Vermutlich hat der Künstler seiner Liebsten ein Denkmal gesetzt.

Auch Sujets aus dem Zyklus „Christus als Wundertäter“, zum Beispiel beim Fischen, verewigten die Maler mit ihren fleißigen Pinseln. Die Ikonographie der Fresken ist für die dekorative Kunst des 16. Jh., die vom Hl. Berg Athos ausging, charakteristisch. Die Bildkompositionen unterscheiden sich jedoch von denen der Athos-Klöster durch ihre lebensnahen Inhalte.

Herodes und der Kindermord

In der Szene des Kindermords aus dem 16. Jh. ist die historische Erzählung verhältnismäßig vollständig. Der Befehl des Herodes an die Soldaten und der Kindermord sind durch zwei selbständige Gruppen dargestellt. Gebärden und Gesichter haben einen selbstredenden, überdeutlichen Ausdruck.

Die für jene Zeit auf dem Balkan vorherrschende Konzeption dieser Szene in der Monumentalmalerei wird hier bestätigt. An der Westmauer – die von dem Potrait des Stifters, dem die Erweiterung der Kirche zu verdanken ist, beherrscht wird – ist die Freske mit den vierzig Märtyrern zu bewundern.

 

Vorschau:

Im nächsten Beitrag der Nessebar-Serie erfreuen wir uns an der kunstvollen Gestaltung der kleinen, aber feinen Pantokratorkirche.

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